Grundlagen


Der Ursprung des lösungsorientierten Ansatzes geht auf de Shazer und Kim Berg zurück. Das Paar entwickelt zusammen mit einem Forschungsteam in den Siebzigerjahren im Kurzzeit-Familien-Therapie-Zentrum (Brief Family Therapy Center, BFTC) in Milwaukee, USA, den lösungsorientierten Beratungsansatz.

Die Milwaukee-Gruppe konzentriert sich bei ihren Beobachtungen ganz pragmatisch darauf herauszufinden, wie Menschen Lösungen finden; sie verliert keine Zeit damit, sich mit den Problemen zu befassen. Denn sie kommt zum Schluss, dass eine ausführliche Problembeschreibung nicht nötig ist, um eine schnelle Problemlösung zu bewirken

Durch die Konzentration auf das (Er-)Finden von Lösungen soll die durchschnittliche Konsultationszeit um ca. 70% gesunken sein und dies bei gleicher Erfolgsquote wie mit eher herkömmlichen Therapieformen.

Im lösungsorientierten Beratungsansatz geht man von einem Prozess aus, der den Selbstheilungskräften und den Selbstorganisationskräften der Kunden völlig vertraut. Nach dem Warum wird nicht gefragt. Das Ziel ist, Lösungen zu finden und zu konstruieren. Die volle Aufmerksamkeit gilt dabei den Ressourcen und Stärken der Kunden und Kundinnen.

Der lösungsorientierte Ansatz wurde in den letzten Jahren in verschiedenen Gebieten der Personal- und Organisationsentwicklung eingesetzt, so auch bei Teamentwicklungen.
 

Grundannahmen und Arbeitshypothesen

«Wo Aufmerksamkeit ist, da geschieht Lernen.» (Gallwey, 2002)
Durch die Lenkung der Aufmerksamkeit «auf bereits Funktionierendes und zukünftig Mögliches» wird der Lernprozess verstärkt. Die lösungsorientierte Arbeit distanziert sich somit vom «Reparieren» und „Wegradieren“ von Defiziten und Schwierigkeiten, sondern definiert sich im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe als Begleitung auf Zeit mit dem Ziel der Kompetenzerweiterung und der persönlichen Entfaltung. De Shazer wird die folgende Aussage zugeschrieben: «Problem talk creates problems – solution talk creates solutions.» Folgende lösungsorientierten Grundannahmen werden als wesentlich erachtet:

Lösungsorientierte Haltung

Die innere Haltung konstituiert sich vor allem aus den persönlichen Werten und dem Menschenbild.

Offenheit und Absichtslosigkeit

Hier gilt es, den eigenen Bezugsrahmen loszulassen und «nichtwissend», neugierig die Sichtweisen, Zielvorstellungen, Ressourcen der Kunden und Kundinnen zu erfragen.
 

Respekt und Wertschätzung

Wertschätzung und Respekt gelten als Grundprinzipien, die eine Ausrichtung an den Kompetenzen und dem Erkunden von vorhandenen Stärken erst als wertschätzenden Rahmen ermöglichen (Hargens, 2004, S.110).
 

Vertrauen in die Lösungskraft der Anwesenden

Es wird davon ausgegangen, dass jede Person eigene Wünsche und Ziele sowie die Fähigkeit, diese zu erreichen, besitzt. Jede Person wird als Experte, Expertin für ihr Handeln und für ihre Lösungsstrategien wahrgenommen. Sie ist ihres Handelns «kundig». Deshalb wird in der vorliegenden Arbeit der Begriff Kunde oder Kundin benützt, um zu unterstreichen, dass die Personen ihres Handelns «kundig» sind.
 

Akzeptanz und Einfühlungsvermögen

Empathisch zuhören und wahrnehmen wollen gehören zu den Kernkompetenzen.
 

Empowerment

Anstatt «Defizite» zu korrigieren, werden die Menschen ermutigt und befähigt, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln, damit sie selbständig eigene Lösungen entwerfen können. Die Lösungsfindung wird als Prozess verstanden, der im Verantwortungsbereich der ratsuchenden Person bleibt. Es geht darum, Eigeninitiative und Unabhängigkeit zu fördern. Empowerment meint demzufolge, dass vorhandene, im Moment nicht sichtbare oder unvollständig genutzte Ressourcen und Kompetenzen (wieder) entdeckt, durch Wertschätzung und durch Bestärkung erweitert und für die anstehenden Aufgaben nutzbar gemacht werden. Ziel eines jeden Coaching-Prozesses ist eine Verstärkung der Selbststeuerung.